„Klar gemacht, was uns verloren geht“

GRÜNE Bretten mit Dr. Markus Rösler MdL auf naturkundlicher Wanderung

(04.05.2019) - Es war eine Lehrstunde der besonderen Art: Viel besser als bei einer Abendveranstaltung im Nebenzimmer gelang es dem Sprecher für Naturschutz und Umweltbildung der grünen Landtagsfraktion, Markus Rösler, auf einem naturkundlichen Spaziergang auf der Gölshäuser Gemarkung die Sinne zu schärfen für den heimischen Naturhaushalt vor der Haustür. Das drängende Thema Artenschutz stand ganz im Vordergrund – dabei kamen sowohl Gefährdungen, aber auch Erfolge zur Sprache. Der NABU Bretten hatte die Wanderstrecke ausgewählt.  

Einen ersten Stopp gab es noch im Dorf an den Mehlschwalbennestern an einem Haus in der Eppinger Straße, wofür Rösler lobende Worte fand. Diese Tiere seien sehr anpassungsfähig und nähmen auch Kunstnester an. Leider steige die Zahl der Hausbesitzer, die Anstoß an verschmutzten Hauswänden nehmen. Das Insektensterben mache den Schwalben generell schwer zu schaffen, weil das ihre Hauptnahrung sei. In der Großmulte schärfte Rösler den Blick für die verschiedenen Wiesentypen anhand der dort zu findenden Pflanzengesellschaften. Große Aufmerksamkeit zog der Wiesensalbei auf sich, der die EU-weit geschützte Salbei-Glatthaferwiese repräsentiere – ein häufiger Typus in der Großmulte.  

Immer wieder unterbrach sich Rösler mit einen „Schscht“ selbst, lauschte dem Vogelgezwitscher und zählte zur Verblüffung des Publikums die akustisch gerade anwesenden Vogelarten auf. Dorngrasmücke, Amsel und Grünspecht waren u.a. zu hören. Am Beispiel des Wanderfalkenhorstes auf einem der Strommasten der Bahnstromleitung berichtete der Abgeordnete von der Fast-Ausrottung dieses Vogels durch DDT und Gelegeklau. „Die Wanderfalkenpopulation hat sich durch vehemente Schutzmaßnahmen deutlich erholt – ein schöner Erfolg vieler Beteiligter aus den Naturschutzverbänden.“  

Rösler berichtete, dass der Mitteleinsatz im Naturschutz unter den grün-geführten Landesregierungen von 30 Mio € im Jahr 2011 auf voraussichtlich 110 Mio € im Jahr 2021 ansteigen werde. Die Rolle der EU im Naturschutz sei vielen Menschen gar nicht bekannt. „Die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie ist die zentrale Rechtsgrundlage des Naturschutzes in Europa. Die FFH-Gebiete haben ein Vielfaches der Fläche der deutschen Naturschutzgebiete“ unterstrich der Abgeordnete. In Baden-Württemberg seien es 17,4 % der Landesfläche.   Als engagierter „Streuobstler“ ging Rösler auch auf die Obstbäume in der Großmulte ein. „Leider werden häufig zu kleine Bäume auf die Streuobstwiesen gepflanzt. 1,60 bis 2 Meter Stammhöhe bringen vielfache Vorteile für Bewirtschafter und Naturschutz!“ Spechte würden nur Bäume über zwei Meter Stammhöhe aufsuchen. Streuobst sei im übrigen keine Hobby-Spielerei – 50 % der Sorten seien Tafeläpfel. Der zertifizierte Bio-Streuobstbau habe im Land derzeit einen Anteil von 8 %. Im Obstsortenparadies Pfarräcker stellte Wolfgang Röder (NABU) das Projekt vor und verwies auf die vielfältigen Habitatstrukturen, die dort inzwischen von den NABU-Aktiven angelegt worden seien.  

Das Endes Rundgangs nach zwei Stunden überraschte die Anwesenden fast. Viele wären gerne noch länger den spannenden Ausführungen des Naturschutzexperten gefolgt und bedauerten ernsthaft, dass der Termin keine Ganztagsveranstaltung war.


Eine Grundhaltung zu haben, ist nichts Schlechtes

Brettener GRÜNE im Gemeinderat nehmen Stellung zu den „FWV-Prinzipien“ der Listenerstellung.

Die Nominierungen der Parteien und Wählervereinigungen für die Kommunalwahl sind abgeschlossen und alle freuen sich auf einen guten und fairen Wahlkampf. Bei einer Kommunalwahl stehen die lokalen Problemstellungen und natürürlich auch die Personen, die auf den Listen stehen, im Vordergrund. Dennoch ist es – entgegen des Eindrucks, den die FWV verbreitet – nicht ehrenrührig, als Kandidat*in einer Partei für eine bestimmte Grundhaltung zu stehen. Im Gegenteil: Die Wähler/innen wissen eher, wie die Menschen auf den Listen einzuordnen sind. Das kann ein Vorteil sein, aber auch Nachteil, weil ihnen die Landes- und Bundespolitik einer Partei zugeordnet wird. Wir GRÜNE nehmen das gerne in Kauf, denn wir halten es für wichtig, in dieser vom überbordenden Individualismus geprägten Gesell-schaft eine klare Haltung einzunehmen und sich auch dazu zu bekennen. Eine vom politischen Gesamtrahmen losgelöste Kommunalpolitik kann es aus unserer Sicht gar nicht ge-ben. Hier redet die FWV der Beliebigkeit das Wort.

Besonders abwegig ist die Unterstellung, überzeugte Mitglieder einer Partei agierten nur nach ihren Parteiprogrammen, denn dahinter steckt der unausgesprochene Vorwurf, sie seien reine Befehlsempfänger aus Stuttgart oder Berlin. Das ist Unfug – das weiß auch die FWV. Was hier vor Ort GRÜNE Programmatik ist, haben seit 1984 die Brettener GRÜNEN selbst bestimmt. Für die Listenaufstellung gibt es im Rahmen des Kommunalwahlgesetzes verschiedene Möglichkeiten. Die FWV hat sich für eine Art „Urwahl“ unter den Mitgliedern entschieden. Wir GRÜNE haben einzeln oder in Blöcken über die Plätze abgestimmt. Das hat den Vorteil, dass sich Bewerber*innen genau auf die Plätze bewerben können, wo sie hinwollen und kein Glücksspiel eingehen müssen, zu weit hinten oder zu weit vorne zu landen. Ergebnis: Jede(r) ging zufrieden nach Hause. Und: Unser "Reißverschlussverfahren" (Quotierung der Liste nach Frauen- und Männerplätzen) greift genau Artikel 3 (2) des Grundgesetzes auf: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt…“ In der Politik sind Frauen noch lange nicht gleichberechtigt beteiligt. Beim Blick auf ihren Frauenanteil müsste die FWV eigentlich ins Grübeln kommen. Bei den GRÜNEN haben Frauen keinerlei Scheu, sich einzubringen – Frauen stellen 65 % der Kandidat*innen. Vorgefertigte Listen gab und gibt es bei den GRÜNEN zu keiner Zeit.

Also liebe FWV – kommt runter vom Baum und überdreht die Schraube nicht – wir GRÜNE schätzen Euch und arbeiten gern mit Euch zusammen.


Wie Europa das Klima retten kann

Der Grüne Kandidat für die Europawahl, Michael Bloß aus Stuttgart, sprach bei den Brettener GRÜNEN über die Herausforderungen des Klimawandels.

(Bretten, 25. März) Gerade einmal 11 Jahre bleiben nach aktuellen Klimastudien, um den menschengemachten Klimawandel mit all seinen verheerenden Folgen zu bremsen. Jedoch sei die Politik weit davon entfernt, gemeinsam entschlossen die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen. Auf europäischer Ebene seien es laut Bloss vor allem die autoritären Staaten, die jede Klimapolitik ablehnen. Jedoch habe auch Deutschland seine bisherige Vorreiterrolle längst verloren. Hier helfe nur der Druck der Bürger/innen, wie zum Beispiel die Demonstrationen der Schüler/innen „Friday for future“. 

 

Auch der unerwartet große Erfolg bei der Nutzung der erneuerbaren Energien mache Mut, dass die Klimawende noch zu schaffen ist. Hinzu kommen müsse aber eine grundlegende Wende in der Verkehrs- und Agrarpolitik. Bloss forderte, öffentliche Gelder auch für öffentliche Güter ausgeben. Im Klartext: Wer Subventionen erhalten will, muss dafür gesellschaftlichen Nutzen erzeugen, durch ökologische Anbaumethoden, durch artgerechte Tierhaltung, durch CO2-armes Wirtschaften.

 

In der anschließenden Diskussion wurden die Schwierigkeiten angesprochen, die eine kommunale Klimapolitik mit sich bringt: Die Bodenversiegelung durch immer neue Bau- und Gewerbegebiete schreite ungebremst fort, der Verkehr nehme stetig zu, eine kommunale Klimaschutzpolitik beginnt nur sehr zögerlich. Dennoch geht Michael Bloss optimistisch in die Zukunft: „Wenn wir jetzt in Europa gemeinsam agieren, können wir das beschlossene Ziel, die Erderwärmung auf maximal 2° C zu beschränken, erreichen und unsere Erde vor einer Heißzeit bewahren.“