DIE GRÜNEN IN BRETTEN

Hochwasserfolgen noch längst nicht überstanden

Eine Reihe von Themen besprachen Mitglieder des Ortsverbandes und der Gemeinderatsfraktion von Bündnis 90 / Die Grünen bei ihrer Tour durch Gölshausen mit den Bürgerinnen und Bürgern. Treffpunkt war die Römerstraße. Nach der Begrüßung durch Stadtrat Harald Müller und Ortsvorsteher Manfred Hartmann wurden wurden einige derzeit interessierende Punkte angesteuert.

Das alles überlagernde Thema war das letzte Hochwasser, bei dem auch in Gölshausen enorme private Schäden aufgetreten sind. Anwohner schilderten, wie sich die Lortzingstraße entsprechend dem Gefälle aufgrund der begrenzten Kapazität der Verdolungen in eine Flutrinne verwandelt habe. Dadurch seien Keller und Garagen bis an die Decke gefüllt worden. Allen Beteiligten war klar, dass Gölshausen grundsätzlich mit den Verdolungen leben muss, im Detail seien, so Otto Mansdörfer, in der Lortzingstraße jedoch sicher Maßnahmen möglich. Befürchtungen hegen die Anwohner im Hinblick auf die Wasserführung am neuen Kreisel Brahmsstraße. Die ehemalige Bundesstraße habe oberhalb des Kreisels keinerlei Einläufe. Dieses Wasser käme künftig nach derzeitiger Ausbauplanung die Brahmsstraße herunter zur Lortzingstraße. Im offenen Teil der Gölshäuser Bäche verwies Ortsvorsteher Hartmann auf noch nicht behobene Hochwasserschäden an Stützmauern.

Im Industriegebiet nahm die Gruppe das Hochwasserrückhaltebecken in Augenschein, dessen Ertüchtigung bereits beschlossen ist. Für jeden sichtbar war, dass das Becken nicht mehr seine volle Kapazität hat, da es bei früheren Fluten mit Schlamm gefüllt worden war. „Hier ist zusätzlich Ausbaggern angesagt, das hat die Stadt noch nicht auf dem Schirm“, befand Stadträtin Ute Kratzmeier.   Eine weitere Station war das Gelände der ehemaligen Metallveredlung, wo ein Wohn- und Gewerbeprojekt entstehen soll. Anwohner sahen die Erschließung kritisch, da nur ein drei Meter breiter Zugangsweg vorhanden sei. In der Nachbarschaft befindet sich außerdem ein emittierender Betrieb, der Altfett verarbeitet und laut Anwohnern erhebliche Geruchsbelästigungen auslöst. Die schmale Zufahrt werde von vielen LKW genutzt. „Hier sind bei weitem nicht alle Fragen abschließend bearbeitet“ befand Fraktionssprecher Otto Mansdörfer. All dies müsse in der endgültigen Planung verträglich gelöst werden – einfach bauen gehe nicht.

Im Industriegebiet führte die Tour zunächst zur siebten Erweiterungsfläche. Die Grünen sprachen sich dafür aus, damit auch den Endpunkt des Ausbaus zu setzen. Das in den 1980er-Jahren entstandene Industriegebiet hat laut Ortsvorsteher Hartmann inzwischen eine Fläche von 150 ha, es arbeiten dort 1.800 bis 2.000 Menschen. Ein Anliegen ist den GRÜNEN eine erheblich verbesserte Ausnutzung des entstehenden Baulandes. So könnte z.B. dort ein Handwerkerhof entstehen, ähnlich dem Dienstleistungszentrum auf der Mellert-Fibron-Fläche. Außerdem begrüßten Anwohner die Begrünung von Flachdächern als weitere Hochwasser entlastende Maßnahme, die jedoch leider viel zu selten umgesetzt würde.Wichtig fanden alle Teilnehmer eine zügige Wiedernutzung der großen UNIDEK-Fläche mit ihren Hallen. Bisher habe sich aber kein Interessent gefunden und der verlangte Preis nicht marktkonform, so der Ortsvorsteher.

Besuch des Nationalparks Schwarzwald – Rundgang Allerheiligen Wasserfälle



 

Am 25.7. trafen sich Mitglieder der Brettener Grünen zu einer geführten Tour um die Wasserfälle unterhalb der Klosterruine Allerheiligen. Auf dem Rundweg informierte eine Mitarbeiterin des Nationalparks über die Entwicklung der Natur ohne Einflussnahme von Holzwirtschaft und Sport-Tourismus.

Vom Mobbing der Fichten und dem Borkenkäfer-Monitoring...

 

Ein persönlicher Bericht von Thomas Holland-Cunz.

 

Wir trafen uns an der Klosterruine Allerheiligen im Nordschwarzwald und wollten den Pfad an den Wasserfällen begehen, die im Gebiet des Nationalparks liegen. Zu meiner Überraschung - Samstag Mittag, mittelprächtiges Wetter - tummelten sich zahlreiche Besucher, Wanderer und Radfahrer in der Gegend. Gegen 14 Uhr erschien unsere Rangerin, Silke Seeger und sammelte die Gruppe ein. Ein kurzer Vortrag zur Klosterruine und schon ging es in den Wald.

Der erste Stop – hier zeigte uns die Rangerin eine der größeren Herausforderungen des Nationalparks: Der natürliche Mischwald. Wir standen in einem kleinen Abschnitt aus Buchen und Tannen und Fichten, so wie es sein sollte, so wie es ursprünglich überall im Schwarzwald war.

Und wie es aktuell leider nicht mehr ist, denn die Fichte hat aufgrund der Holzwirtschaft stark Überhand genommen. Der Bestand an Buchen hingegen ist in den letzten Jahrhunderten dementsprechend zurückgegangen, von etwa 50 - 60 % auf nunmehr 7 %. Die Buchen waren früher gefragtes Baumaterial, zur Aufforstung der entstandenen Lücken wurden schnell wachsende Fichten gezogen. So entwickelte sich der Mischwald zu einem überwiegenden Nadelwald. Was Auswirkungen auf die komplette Pflanz- und Tierwelt hatte und hat.

Das erste Gesetz des Nationalparks heißt: Kein Eingriff in die Natur. Oder nur so viel, wie unbedingt nötig. Bei der Aufzucht von Bäumen allerdings haben die Biologen ein Verfahren entwickelt, bei dem manche Baumsorten „bevorzugt“, andere wiederum „benachteiligt“ werden. Das “Mobbing der Fichten“ zum Vorteil der Buchen. So möchte man das entstandene Ungleichgewicht langfristig wieder ausgleichen.

Bei der Aufzucht von Bäumen gibt es Risiken, eine davon ist der Borkenkäfer. Wir alle haben den Namen dieses Holzfressers seit den 80ern oft gehört. Die Rangerin hat uns sehr detailliert geschildert, wie der Borkenkäfer die Bäume „angreift“. Und dass es mehrere Arten von Käfern gibt, dass sie unterschiedlich sind, dass man sie beobachten müsse. Borkenkäfer-Monitoring. Ich liebe diese Kombinationen aus mehreren Sprachen, wirklich…

Weiter ging es auf dem Pfad oberhalb der Wasserfälle, der von allerlei Sagen und Geschichten erzählt. An einer Stelle jedoch kamen wir in die Gegenwart zurück und konnten einen Wanderfalken vor seinem Nest inmitten einer Felswand beobachten. „Das ist das Weibchen, das in diesem Jahr mehrere Jungvögel großgezogen hat“ klärte uns Silke Seeger auf. Seit vielen Jahren ist es das erste Falken-Pärchen, das wieder im Schwarzwald nistet. Tourismus, Bergsteiger und die Holzwirtschaft haben diese Tiere in der Vergangenheit regelrecht vertrieben. Jetzt kommen sie wieder – vielleicht, oder ganz bestimmt, ein Verdienst des Nationalparks.

Der zweite Abschnitt des Weges ist der kürzere, aber beschwerlichere Teil des Pfades. Entlang des längsten Wasserfalls im Schwarzwald geht es stetig bergauf, mit sehr, sehr vielen Treppen – in einer faszinierenden Schlucht, die auch geologisch interessant ist. Nach etwa zwei Stunden Wanderung mit intensiven Naturerlebnissen blieb eine Erkenntnis hängen: Das hat sich gelohnt, das war sehr kurzweilig und vor allem sehr informativ. Nationalpark – ich komme wieder!